Concerning Violence // Kino im Dialog / Kino Global



Im Rahmen des etablierten Formats KINO IM DIALOG präsentieren das Apollo Kino & Bar und terre des hommes Aachen in einer losen Form Filme die Menschen mit entwicklungspolitischen Themen bekannt machen. In diesem Rahmen werden zusätzlich themenspezifisch Referenten und weitere Organisationen eingeladen um das kulturelle Angebote mit entwicklungspolitischem Fachwissen zu ergänzen. Das Projekt möchte wie auch schon im Ausgangsformat KINO IM DIALOG einen Diskurs verankern. Sein Ziel sind engagierte Diskussionen, die dem Publikum eine Meinungsbildung und neue Einsichten ermöglichen.


Nach seinem Panorama-Erfolg von 2011, The Black Power Mixtape 1967-1975 über die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung, kehrt Göran Hugo Olsson mit einem Rückblick auf die afrikanischen Befreiungsbewegungen zurück. Auf der Grundlage von Frantz Fanons berühmtem Buch “Die Verdammten dieser Erde“ erzählt der Film von den Aufständen, die zur Entkolonialisierung Afrikas führen sollten. Erneut konzentriert sich Olsson dabei auf Archivmaterial, das schwedische Dokumentarfilmer und Fernsehjournalisten zwischen 1966 und 1984 in Afrika aufgenommen haben. Aufnahmen von der Befreiungsbewegung in Angola, der Frelimo in Mozambique und dem Unabhängigkeitskampf in Guinea-Bissau werden dokumentarische Bilder von schwedischen Missionaren in Tansania und einem Streik in einer schwedischen Mine in Liberia gegenübergestellt. Die Musikerin Lauryn Hill erweckt die polarisierenden Texte Fanons zum Leben, die das Bildmaterial strukturieren und kommentieren. Ein Blick auf heutige Konflikte, die entlang der alten Kolonialgrenzen schwelen, zeigt, dass Afrika auch über 50 Jahre nach Fanons Tod die Folgen der jahrhundertelangen europäischen Raubzüge und Interventionen noch lange nicht überwunden hat.

Hintergrund:
Zum vierten Mal zeichnete das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) auf der Berlinale einen Film mit dem entwicklungspolitischen Sonderfilmpreis CINEMA fairbindet aus. Göran Hugo Olsson „Concerning Violence“, der im Panorama präsentiert wurde, ist ein mutiger Film über die afrikanischen Befreiungsbewegungen der 60er und 70er Jahre. Neu entdecktes Archivmaterial über die gewaltvolle Konfrontation mit den Kolonialmächten wird kombiniert mit Zitaten aus Frantz Fanons „Die Verdammten dieser Erde“, gesprochen von Lauryn Hill. Der Film beleuchtet kunstvoll Fanons Analysen über die Folgen der Kolonialisierung Afrikas und plädiert für den Aufbau einer gerechteren Welt.

Jurybegründung: „Durch die Verbindung von Frantz Fanons historischem Text über Kolonialismus, eindrucksvoll gesprochen von Lauryn Hill, mit einzigartigem Archivmaterial entsteht ein überzeugender und poetischer aktueller Film. Der Regisseur hat ein beeindruckendes Werk geschaffen, indem er komplexe theoretische Ideen in kinematographische emotionale Erfahrung umsetzt. Er eröffnet uns zugleich überraschende Erkenntnisse über die heutige Welt. Der faszinierende Film zeigt uns, dass Gewalt weiterhin eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung ist.“ In der diesjährigen Jury waren Rania Stephan, Djo Munga und Ernst Szebedits.