Das Kriegserbe in der Seele // Themenabend



Erst kürzlich fand die Lesung zu „Die vergessene Generation. Kriegskinder brechen ihr Schweigen“ mit der Autorin Sabine Bode statt. Anfang Mai fand ein praxisorientierter Seminartag statt. Das Kriegserbe in der Seele erkennen und gut handhaben wurde hier thematisiert.
Die Themenreihe Das Kriegserbe in der Seele wird mit zwei Filmvorführung im Apollo Kino & Bar beendet und zeigt am Dienstag, den 27.06.2017 die beiden Dokumentarfilme von Andreas Fischer Söhne ohne Väter und Töchter ohne Väter. In beiden Filmen geht es um die Frage, wie sich Verlust und Vaterlosigkeit durch den zweiten Weltkrieg auf die Biografien der Söhne bzw. Töchter auswirkt. Vorab gibt es eine inhaltliche Einführung ins Thema durch Luitgard Gasser, Gestalttherapeutin und Initiatorin des Kriegskinder, Kriegsenkel-Gesprächskreis, Aachen.


SÖHNE OHNE VÄTER VOM VERLUST DER KRIEGSGENERATION
Dokumentarfilm von Andreas Fischer // 80 Min // Deutschland 2017
Fast ein Drittel der Kinder, die zwischen 1933 und 1945 geboren wurden, wuchsen ohne Vater auf. Mit dem Tod des Vaters im Zweiten Weltkrieg verlieren vor allem die Jungen ein wichtiges Vorbild. Häufig ist der abwesende Vater im Inneren stärker als ein Anwesender. Stiefväter nehmen den Platz des gefallenen Vaters in der Familie ein, was die Söhne oft in seelische Nöte bringt. Die jung verwitweten Mütter entwickeln zu ihren Söhnen ein besonders inniges aber oft auch ein erdrückend enges Verhältnis, nicht selten eine Belastung für die späteren Partnerschaften und Ehen der Söhne.
Andreas Fischer setzt in der Gestaltung des Films auf Reduktion. Ohne historisches Filmmaterial oder Spielszenen zu verwenden, montierte der Autor den Film aus insgesamt 60 Stunden Interviewmaterial. Die Äußerungen der acht interviewten Männer bilden durch die Montage einen intensiven Erzählstrom, der auf ungewöhnliche Weise einen Eindruck von der kollektiven Erfahrung der Kriegskindergeneration vermittelt. Dabei scheuten die Interviewpartner nicht davor zurück auch über ihre Gefühle zu sprechen. Viele vaterlos aufgewachsene Männer hatten in ihren zurückliegenden Lebensjahrzehnten nicht das Gefühl, dass ihnen etwas fehlt. Doch jetzt wird die Berufstätigkeit beendet, die eigenen Kinder sind Erwachsen und das eigene Altern wird zum Thema. Nun erst entdecken viele Männer ihre Verlustgefühle und eine Sehnsucht nach dem nie gekannten Vater. Mit Erstaunen verspüren sie plötzlich das Bedürfnis, sich mit dem Leben und Sterben des Vaters zu beschäftigen. Familienalben werden mit neuem Blick betrachtet, Reisen zu den Gräbern der Väter in ferne Länder werden unternommen…
Von ihren Erfahrungen berichten in diesem Film unter anderem der Historiker Jürgen Reulecke, der Psychoanalytiker Hartmut Radebold sowie der Fernsehjournalist Peter Voß.

TÖCHTER OHNE VÄTER
Dokumentarfilm von Andreas Fischer // 90 Min. // Deutschland 2016
Regisseur Andreas Fischer fragt in seiner berührenden Dokumentation, wie sich Verlust und Vaterlosigkeit auf die Biographien der Töchter auswirken.
Während und nach dem 2. Weltkrieg wuchs rund ein Drittel aller Kinder ohne Vater auf. Die Folgen einer solchen Kindheit wurden lange Zeit nicht wahrgenommen, oder sie waren tabu. Was haben Bombenkrieg, Flucht, Vertreibung und vor allem die Vaterlosigkeit bei den Kindern bewirkt? Sie sind heute im Rentenalter – und viele davon setzen sich jetzt erstmals mit ihrem Aufwachsen ohne Vater auseinander. Nach „Söhne ohne Väter“ (2007) beleuchtet der neue Dokumentarfilm von Andreas Fischer, „Töchter ohne Väter“ die Lebenswege dieser Frauen und erzeugt damit ein intensives Porträt einer ganzen Generation.


Eine Kooperation von Apollo Kino & Bar, „Leben & Raum“ – Luitgard Gasser, Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands, Diözesanverband Aachen e.V. & Volkshochschule Aachen