Polnischer Film on Tour 6 // ab 09.11.2017

Polnischer Film on Tour präsentiert zum sechsten Mal eine Auswahl der erfolgreichsten polnischen Filme des letzten Jahres, die auf internationalen Festivals und beim Publikum in Polen große Anerkennung gefunden haben. Die Reihe stellt die neuesten Trends im polnischen Kino in den Fokus und wird dem Publikum in Aachen, Düsseldorf und Münster vorgestellt. Im Gespräch mit prominenten Gästen aus Polen haben die Zuschauer die Möglichkeit, aus erster Hand von deren aktuellen Werken und zukünftigen Filmprojekten zu erfahren.


09.11.2017 20.15
Afterimage / Powidoki von Andrzej Wajda // polnisches OmU

PL 2016, 100 Min.
// Der Film schildert die letzten Lebensjahre des Malers und Pioniers der polnischen Avantgarde Władysław Strzemiński (1893-1952). Nach Ende des Zweiten Weltkriegs unterrichtete er Kunstgeschichte an der Kunsthochschule Łódź, wo er auch vor dem Krieg lebte. Er war und blieb ein Künstler, der sich nicht der zur damaligen Zeit geltenden Doktrin des sozialistischen Realismus beugte und persönlich die Folgen seiner Entscheidung auf dramatische Art und Weise ertragen musste. Das letzte Werk Wajdas (1926-2016) ist eine beeindruckende und zugleich beklemmende Geschichte über einen charismatischen und unbeugsamen Künstler, den die kommunistische Regierung zu vernichten trachtete.


10.11.2017 // 20.15
The Last Family / Ostatnia rodzina von Jan P. Matuszyński // polnisches OmU

PL 2016, 122 Min.

Zu Gast: Regisseur Jan P. Matuszyński

// Der Film erzählt vom Leben des legendären polnischen Surrealisten Zdzisław Beksiński und seiner Familie. Als die Beksińskis Mitte der 70er Jahre aus der südpolnischen Provinz in eine Neubau-Siedlung in Warschau ziehen, scheinen die Hochhäuser eine sonnige Zukunft zu versprechen. Dann beginnt der Alltag und die Beziehung zwischen dem Künstler und seinem heranwachsenden Sohn Tomasz wird immer komplizierter und angespannter. Mutter Zofia steht derweil zwischen den Fronten. Sie ist die stets auf Ausgleich bedachte Ehefrau und Mutter, die unermüdlich versucht, das zerbrechliche Gleichgewicht zwischen den Beiden wiederherzustellen. „Die letzte Familie“ basiert auf den intimen Audio- und Videoaufzeichnungen, die der Künstler Beksiński zeitlebens von sich, seiner Frau und seinem Sohn seit den späten 50er Jahren machte. Das Debüt Matuszyńskis spürt dadurch meisterhaft der faszinierenden Chronik einer außergewöhnlichen und exzentrischen Familie nach. „The Last Family“ erhielt den Hauptpreis als bester Film auf dem Festival des Polnischen Spielfilms Gdingen 2016.


11.11.2017 // 20.15
Loving Vincent / Twój Vincent von Dorota Kobiela und Hugh Welchman // englisches OmU

PL GB 2017, 88 Min.
// Frankreich im Sommer 1891. Ein Jahr nach dem Tod Vincent van Goghs taucht plötzlich ein Brief des Künstlers an dessen Bruder Theo auf. Der junge Armand Roulin erhält den Auftrag, den Brief auszuhändigen. Zunächst eher widerwillig, macht er sich schließlich auf den Weg, doch je mehr er über Vincent erfährt, desto faszinierender erscheint ihm der Maler, der zeit seines Lebens auf Unverständnis und Ablehnung stieß. War es am Ende gar kein Selbstmord? Entschlossen begibt sich Armand auf die Suche nach der Wahrheit. „Loving Vincent“ erweckt die einzigartigen Bilderwelten van Goghs zum Leben: 125 Künstler aus aller Welt kreierten mehr als 65.000 Einzelbilder für den ersten vollständig aus Ölgemälden erschaffenen Film. Entstanden ist ein visuell berauschendes Meisterwerk, dessen Farbenpracht und Ästhetik noch lange nachwirken.


12.11.2017 // 20.15
I’m a Killer / Jestem mordercą von Maciej Pieprzyca // polnisches OmU

PL 2016, 107 Min.
// Der Film beruht auf wahren Ereignissen, die sich zu Zeiten der Volksrepublik Polen Anfang der 70er Jahre in Schlesien ereigneten. Jasiński, ein junger, ambitionierter Kommissar der Volksmiliz, übernimmt ein bislang nicht erfolgreiches Ermittlungsverfahren zu einem Serienmörder. Nach weiteren Frauenmorden nimmt er Spur auf, die zum Verdächtigen führt. Das Problem ist, dass die Ermordete aus einer prominenten Familie stammt. Es beginnt ein Spiel von politischen Intrigen, die bis in höchste Kreise des Zentralkomitees reichen. Jasiński muss diesen Kriminalfall lösen, sonst ist seine Karriere am Ende. Er muss zwischen Idealen, Ambitionen und Privilegien wählen, an die er sich schnell gewöhnt hat. Er entscheidet sich, gefährliche Grenzen zu überschreiten. Der größte Gegner des jungen Kommissars ist somit nicht der „Vampir“, sondern er selbst. Der Film gewann den Silbernen Löwen beim Festival des Polnischen Spielfilms Gdingen 2016 und Regiepreis beim Festival in Shanghai.


14.2017 // 20.15
Animals – Stadt Land Tier / Tiere von Greg Zglinski

CH PL A 2017, 94 Min., deutsches Original
// Das Wiener Ehepaar Nick und Anna fährt für ein halbes Jahr in die Schweiz. Er ist auf der Suche nach originalen eidgenössischen Rezepten und sie will ihren ersten Kriminalroman schreiben. Die Auszeit könnte auch gut für ihre wackelnde Beziehung sein. Auf der Fahrt erleben sie einen seltsamen Unfall. Je weiter die Erzählung voranschreitet, desto mehr löst sie selbst alle Gewissheiten auf und sät Zweifel. Womit beginnt eigentlich die Handlung? Sind die Figuren sie selbst oder Produkte der Vorstellungskraft anderer? Nachdem zunächst die Zeitebenen durcheinandergeraten sind, lösen sich auch die räumlichen Grenzen auf. Zwischen der Wiener Wohnung und dem Schweizer Chalet gibt es irritierende Parallelen. Ist Annas Eifersucht grundlos? „Man sucht nach Hinweisen, welches Spiel hier eigentlich gespielt wird, und immer, wenn man denkt, es entschlüsselt zu haben, entgleitet es durch ein neues Detail abermals“ (Maria Wiesner). Das raffinierte Psychopuzzle des polnischen Regisseurs und Kieślowski-Schülers Greg Zglinski feierte Weltpremiere im Forum der Berlinale 2017.