Jetzt.Nicht. // Kino im Dialog



Zu Gast: Regisseurin Julia Keller


„Jetzt.Nicht.“ erzählt auf intelligente Weise vom Sinnverlust in der modernen Leistungsgesellschaft. -programmkino.de

Godehard Giese ist das nervöse Herz dieses exzellenten Films. … Packend! -Saarbrücker Zeitung

… macht die Kälte des deutschen Wachstumsdiktats selbst im kuscheligen Kinosessel spürbar. Sozialdrama auf hohem Niveau. -Saarländischer Rundfunk


Seine Tage sind lang, sein Terminkalender voll – ein hochtourig getaktetes Leben in der Marketingabteilung eines Kosmetikherstellers. Als Walter Mitte vierzig völlig unerwartet gekündigt wird, verliert er jeglichen Halt. Die erzwungene Auszeit bringt existenzielle Fragen hervor. Auf der Suche nach Antworten flüchtet sich Walter in die Identität eines anderen Mannes. Was aber sollen die Koordinaten des Lebens sein, wenn Arbeit und Leistung nicht mehr das Maß aller Dinge sind?

Das Sozialdrama „Jetzt.Nicht.“ zielt mitten ins kalte Herz unserer modernen Leistungsgesellschaft und zeigt, wie die Arbeitslosigkeit zur Identitätskrise wird. Godehard Giese („Liebmann“, „Im Sommer wohnt er unten“) überzeugt in einer Charakterrolle als Marketingdirector Walter, der seinen Job verliert und damit seinen gesamten Lebensinhalt. Packendes deutsches Kino, das zutiefst beunruhigt und zugleich Hoffnung weckt: Denn mitten im Zusammenbruch werden in Walter längst vergessene Träume von einem ganz anderen Leben wach.

Regiekommentar

»Ich arbeite, also bin ich. Arbeit prägt nicht nur einen großen Teil unserer Identität, sondern wird immer mehr als Selbstverwirklichung und ganzheitliche Erfüllung begriffen. Wo die Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem immer mehr verschwinden, ein Feierabend nicht mehr existiert, bleiben essenzielle Fragen meist im Verborgenen – auch Walter wird erst durch die erzwungene Auszeit damit konfrontiert:

Wie bin ich ins Leben gestartet? Was habe ich bis JETZT gemacht? Warum habe ich so vieles NICHT gemacht? Wo stehe ich JETZT und was ist mit meinen Träumen passiert? Aber ist der Traum vom anderen Leben nur so lange schön, so lange er nicht gelebt wird? Wenn aber JETZT.NICHT., wann dann? Und ist es nicht ein utopischer Gedanke in einer kapitalistischen Gesellschaft ohne Arbeit glücklich zu werden? JETZT vielleicht noch. Aber was wird passieren, wenn die Prophezeiungen, die mit der Digitalen Revolution einhergehen, eintreffen und ein Großteil der Arbeit verschwinden wird? Wie werden wir in Zukunft unsere Zeit nutzen?

Das Ende der Arbeit könnte eine Überforderung bedeuten und im Chaos enden. Aber es könnte ebenso eine Chance sein, auch für Walter, das Identitätsgefühl von der Arbeit zu lösen – was augenblicklich die Frage nach sich zieht: „Was macht mich als Menschen eigentlich wirklich aus?“« Julia Keller